Das Programm Epistemologien ästhetischer Praktiken exponiert die Eigenständigkeit, Besonderheit und Unverzichtbarkeit des ästhetischen Wissens im Unterschied zum wissenschaftlichen Diskurs und befragt die Künste als eine eigene Denkform. Diese Befragung hat zwei Seiten: Einerseits wird die Kunst als eine Erkenntnisform sui generis behauptet, die mit anderen als allein diskursiven Mitteln argumentiert: Mit den Medien des Films, der Malerei, der performativen Aufführung, des Designs usw. Andererseits gilt es umgekehrt auch auf die genuin ästhetischen Dimensionen in der Arbeit der Wissenschaften hinzuweisen – etwa experimentellen Anordnungen, die Metaphorik des Sprechens, Forschungsdesigns etc. Künste und Wissenschaften rücken so ein Stück weit aufeinander zu, indem den Künsten einerseits eine eigene Art des «Aussagens» oder des Wissens zugebilligt wird, andererseits künstlerische oder ästhetische Anteile ebenfalls in den Wissenschaften entdeckt werden.
Dabei sollen gleichermaßen alle Künste mit ihren je spezifischen Wissensformen zur Sprache kommen: die Literaturen ebenso wie die sogenannten bildenden Künste, Architektur, Musik, Medienkunstoder Film und die performativen Künste. Was jeweils «Wissen», «Erkenntnis» und «Handlung» in Bezug auf diese verschiedenen Formen heißt, worin ihre besondere «Geltung», aber auch ihre Grenzen bestehen, welchen unterschiedlichen Formationen sie gehorchen, welche Effekten sie zeitigen oder auf welche Weise sie sich artikulieren – ob auf der Grundlage von Dingen und ihren Materialitäten, im Modus des Zeigens und Ausstellens oder als zeitlich stattfindendes Phänomen – wäre dabei gleichermaßen zu prüfen wie die Frage eines diskursiven bzw. nichtdiskursiven Formats, in der diese Formen und Modalitäten und Prozesse allererst zu erschließen sind. Beide Seiten, die Diskussion des Ortes möglicher Epistēmē der Künste einerseits, sowie die Diskussion einer angemessenen Sprache ihrer Beschreibung und Übersetzung mittels Interpretation und Kritik andererseits bilden den inhaltlichen Rahmen des Promotionsprogramms.
Nicht nur setzt das Programm deshalb auf die Pluralität der Stimmen mit Bezug auf das weite Feld des Ästhetischen, sondern auch auf die Produktivität eines Dialogs zwischen Künsten und Wissenschaften. Das bedeutet, dass sich auf diesem Wege die Chance öffnet, den derzeit weiträumig kursierenden Begriff des «artistic research» bzw. der «künstlerischen Forschung» als Kern einer Epistemologie ästhetischer Praktiken zu schärfen. Es gilt dabei, im Rahmen einer interdisziplinären Zusammenarbeit eine gemeinsame Sprache für etwas zu finden, was sich zwar seiner vollständigen Versprachlichung entzieht, deren Möglichkeit einer Beschreibung und Präzisierung aber nicht vorderhand unmöglich oder aussichtslos erscheint.
Die Eckpfleiler des Programms bilden regelmäßige Forschungskolloquien, bei denen einzelne Kapitel der Dissertationsprojekte mit den Betreuer:innen diskutiert werden; Schreibretraiten, in denen sowohl auf die Bedürfnisse der einzelnen Doktorierenden eingegangen wird als auch der Austausch in der Gruppe der Doktorierenden und Assoziierten im Mittelpunkt steht; öffentliche Vorträge, Artist Lectures, Screenings und Workshops, die meist in Zusammenarbeit mit Partner-Instituten und Programmen der ZHdK, UZH und ETH durchgeführt werden, ebenso wie von Doktorierenden selbständig konzipierte und organisierte Veranstaltungen. Eine wichtige Rolle spielt ebenfalls das individuelle Mentoring durch die Betreuer:innen und externe Expert:innen.