Das Forschungsprojekt untersucht ‚Zeit‘ beziehungsweise Zeiterfahrungen als ein ästhetisch-bildhaftes und ‚Gerechtigkeit‘ als ein intertemporales Phänomen. Die heute irreversible technisch-soziogene Naturtransformation im Anthropozän, die Demokratiekrise in den postkolonialen Gesellschaften des Westens und die digitalisierten Arbeits- und Lebenswelten fordern ein philosophisches Denken heraus, das eine gerechte Zukunft und zukünftige Gerechtigkeit mitgestalten möchte.
Das Forschungsprojekt untersucht ‚Zeit‘ beziehungsweise Zeiterfahrungen als ein ästhetisch-bildhaftes und ‚Gerechtigkeit‘ als ein intertemporales Phänomen. Die heute irreversible technisch-soziogene Naturtransformation im Anthropozän, die bereits in den Plantagenökonomien und -monokulturen begann und eine transhumane Geschichte wahrscheinlich macht, die Demokratiekrise in den postkolonialen Gesellschaften des Westens (etwa die beobachtbare Korporatokratisierung des US-amerikanischen Staates durch Präsident Donald Trump) und die digitalisierten Arbeits- und Lebenswelten (Schlagwort ‚Neotaylorismus‘) fordern ein philosophisches Denken heraus, das eine gerechte Zukunft und zukünftige Gerechtigkeit mitgestalten möchte. Dazu braucht es neuartige disziplinübergreifende Forschungsansätze, in denen zum Beispiel mit Schwarzen Theoretiker:innen wie Kara Keeling und Saidiya Hartman marginalisierte Zeiterfahrungen und ihre kritisch-soziale Imaginationskraft erarbeitet werden können.
Im Forschungsaufenthalt an der Zürcher Hochschule der Künste liegt ein Schwerpunkt darin, das Verhältnis von ästhetisch-künstlerischen Darstellungen und rassifizierten Arbeitsregimen im sogenannten Globalen Süden zu untersuchen. Dazu muss das Konzept ‚Arbeit‘ in seinen Verstrickungen mit sozialen, ökologischen und philosophischen Diskursen gedacht werden. ‚Arbeit‘ und ‚Zeit‘ werden so in ihren Inderdependenzen deutlich: Ein lineares, quantifizierbares und kommodifizierbares ‚modernes‘ Zeitregime, das auch in den europäischen Fabriken eine bis dahin ungekannte Disziplinarordnung herstellte, wurde etwa in afrikanischen Kolonien durch ein westliches Lohn- und Zwangsarbeitsregime überhaupt erst eingeführt. Künstlerische Arbeiten können diese Zusammenhänge anschaulich machen.
Gemeinsam mit Prof. Dr. Judith Siegmund wird für April überdies ein Workshop umgesetzt, in dem die Forschungsergebnisse disziplinübergreifend mit dem Team des FSP Ästhetik und eingeladenen Gästen öffentlich diskutiert werden sollen.