Critical Whiteness Studies, eine in den USA entstandene und seit wenigen Jahren auch im deutschsprachigen Raum präsente Forschungsrichtung, bedeuten eine Fokusverschiebung in der Forschung zu Rassismus und Diskriminierung. Nicht die durch die Konstruktionen von «Rasse», Ethnie oder Kultur Markierten und Marginalisierten stehen im Zentrum der Aufmerksamkeit, sondern die Konstruktion der «unmarkierten Normalität» von «Weisssein». Critical Whiteness Studies entwickelten sich aus der Kritik an Rassismusforschung und antirassistischem Engagement, die Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen aufgrund des Rassekonstrukts in den Blick nehmen und ablehnen, dabei aber nur «die Anderen» als rassifiziert wahrnehmen und so Rassismus letztlich an die Präsenz von Nicht-weissen knüpfen. Die als Norm und Zentrum unhinterfragte Kategorie «Weisssein» stellt Critical Whiteness Studies ins Zentrum ihrer Untersuchungen. Die Fokussierung von Rassismusforschung auf die durch Konstrukte von Rasse, Kultur und Ethnizität Privilegierten ist aber nur dann eine Umkehrung des Blicks, wenn dabei auch die Privilegienverteilung in der Wissensproduktion in Frage gestellt wird. «Wenn kritische Weissseinsforschung als innerweisse Analyse einer kollektiven Imagination, welche ausschliesslich durch die Existenz der Anderen definiert werden kann, betrachtet würde und die Fragen nach der Sichtbarkeit von ‹Weisssein› innerhalb verschiedener historischer, kultureller und biographischer Zusammenhänge nur in diesem Rahmen verhandelt werden sollten, dann führte diese Kritische Weissseinsforschung durchaus zu einer Re-Zentrierung des weissen Subjekts.» «Weisse [bedürfen] stets des Anstosses der von ihnen zu ‹Anderen› gemachten […], um sich selbst zu entmystifizieren und demaskieren – ihre Macht, Privilegien und Ressourcen zu erkennen.»
(Nora Landkammer)
Literatur und Links
- Arndt, Susan/Eggers, Maureen Maisha/Kilomba, Grada/Piesche, Peggy, Mythen, Masken und Subjekte. Kritische Weissseinsforschung in Deutschland, Münster: Unrast 2005.
- Wachendorfer, Ursula, Weiss-Sein in Deutschland. Zur Unsichtbarkeit einer herrschenden Normalität, in: Arndt, Susan (Hrsg.): AfrikaBilder. Studien zu Rassismus in Deutschland, Münster: Unrast 2001.
- metanationale (zuletzt aufgerufen: 24.3.2017)