Lukas Näf fasst seine Forschung der letzten Jahre zu Leben und Werk des rumänisch-französischen Komponisten Marcel Mihalovici (1898–1985) in einer Publikation zusammen. Bereits fortgeschritten sind eine kritische Biographie sowie ein wissenschaftliches Werkverzeichnis. Analytische Betrachtungen zu Mihalovicis Beckett-Vertonungen und zu dessen Klavierwerke runden die Darstellung ab.
Der rumänisch-französische Komponist Marcel Mihalovici (1898–1985) war im französischen, rumänischen und deutschen Musikleben des 20. Jh. eine feste Grösse. So gehörte er etwa zur sogenannten École de Paris und zu den Mitbegründern der Gesellschaft für zeitgenössische Kammermusik Triton. Auch in der Schweiz hinterliess Mihalovici deutliche Spuren. Vom Basler Mäzen Paul Sacher grosszügig gefördert, befinden sich seine Handschriften heute in dessen Basler Stiftung. Mihalovici pflegte überdies intensive Kontakte zum Schweizer Schönbergschüler Erich Schmid, der mehrere seiner Werke für das Schweizer Radio einspielte.
Mihalovicis Komposition umfassen alle Gattungen: Opern, Symphonien, Streichquartette, Instrumentalsonaten, Klavierstücke, Hörspielmusiken, Bühnenmusiken und Filmmusiken. Zu seinen Hauptwerken zählen fünf Symphonien und fünf Opern, wobei die Zusammenarbeit mit Samuel Beckett in der Oper Krapp ou La dernière bande op. 81 (1959/60) und der Symphonie N° 5 op. 94 (1966/69) als Höhepunkt seines Schaffens bezeichnet werden kann. Mihalovicis Kompositionen besitzen eine Innovationskraft, eine frei fliessende Fantasie und eine tiefgründige (auch historisch informierte) Reflexion, die zu fesseln vermag. Diese Qualitäten werden oft erst beim zweiten Hinhören (und in der Analyse) hinter einer oft schroffen, dissonanten Oberfläche hörbar. Gerade in der Klaviersonate op. 90 (1964) – um nur ein Beispiel zu nennen – zeigen sich verschiedene Qualitäten: ein flexibles, spielerisches und gekonntes Zusammenspiel von historischen Modellen, volksmusikalisch-modales Denken (imaginäre Folklore) und eine pianistische Artistik.