Patricia Meiers 2-Kanal-Video «the earth so soft, a place to be in», eine Art filmisches Tagebuch, entfaltet eine vielschichtige und fragmentarische Narration zu komplexen Themen wie Verletzlichkeit, Familie und Krankheit. Auf zwei nebeneinander montierten Bildschirmen sind Aufnahmen alltäglicher, auf den ersten Blick unzusammenhängender Szenen zu sehen: die Künstlerin und ihr Vater beim Aufräumen, ein Bettrost wird abgebaut und in den Garten getragen, spielende Hunde, ein Rollstuhl wird durch einen Krankenhauskorridor geschoben, ein Bagger häuft frisch geschnittene Äste auf.
Die Bilder zeigen Dualitäten: öffentlich und privat, menschlich und nicht-menschlich, Care-Arbeit und künstlerische Arbeit, Tochter und Mutter, Leben und Tod; Pole, die sich im Rhythmus dieses gekonnt geschnittenen Videos organisch ineinander verweben. Die Kamera – die meisten Teile des Videos sind mit einem Smartphone gefilmt – dient Patricia Meier gleichzeitig als Medium der Distanzierung, wie auch der Suche nach Nähe. Etwa wenn sie im letzten Teil des Videos in einer nun inszenierten Nahaufnahme beim Performen eines Songs gefilmt wird. Der Text dieser Komposition untertitelt die vorangehenden Aufnahmen. Patricia Meier ist Musikerin und Künstlerin und bringt in dieser Arbeit ihre beiden unterschiedlichen künstlerischen Ansätze zusammen. Ihr gelingt es in ihrer Diplomarbeit existenzielle Themen, aber auch Themen rund um Fragen der künstlerischen Autor:innenschaft auf überzeugende und zugängliche Art zu reflektieren. Sie vermag damit ein sehr persönliches Thema in ein universelles Narrativ zu überführen.