In dem zweijährige SNF-Forschungsprojekt "archiv performativ" erarbeiteten Pascal Grau, Margarit von Büren und Irene Müller beispielhaft Ansätze, wie die gegensätzlichen Bedingungen von Aufführungspraxis und Archivierungsanforderungen bei Performance-Kunst vereinigt werden können. In einem qualitativen Ansatz wurden Artefakte von Performances beschrieben und klassifiziert. Anschliessend untersuchten die Forscherinnen deren Stellenwert in der Vermittlung von Performances.
Aus der Sicht des Medienarchivs ist deutlich: Die Dokumentation und Archivierung von Performencekunst und anderen Werken der darstellenden Künste in einem digitalen Archiv durchläuft einen zweifachen Medienwechsel. Wegen der Flüchtigkeit des Kunstwerks findet der erste Übergang zwischen der Performance und ihrer Dokumentation statt. Hier kommen Fotografie, Video, Audio-Aufzeichnungen zum Zuge, aber auch spätere Augenzeugenberichte und hinterlassene Artefakte der Performance. Sind dies Quellen, Protokolle, Interpretationen? Eine zweite Übertragen findet bei der Übertragung dieser Dokumentationen in eine Datenbank zum Zweck der Archivierung statt. Wie werden die unterschiedlichen Artefakte gewichtet? Zu welchem Gesamtbild setzen sie sich zusammen und in welchem Verhältnis steht dies zum ursprünglichen Werk?
In Zusammenarbeit mit dem Team von "archiv performativ" konnten wir für das Medienarchiv einige Lösungen für die Integration von Werken der darstellenden Kunst erarbeiten. Dies betrifft vor allem die Zusammenstellung von Sets mit unterschiedlichen Medientypen: Um der Unterschiedlichkeit dieser Materialien gerecht zu werden, können die Nutzer/innen diese in verschiedenen Darstellungsformen abspeichern und besonders wichtige Inhalte hervorheben. Zur Veranschaulichung hat Irene Müller prototypische fünf Performances im Medienarchiv erfasst. Darüber hinaus steht eine Anleitung für Best-Practice im Hilfe-Wiki zur Verfügung.