Im Kontext
Der Windtunnel stellt viele Fragen und untersucht insbesondere kritisch die Zeit der frühen Moderne, als das Donnern von Kanonen und Hochgeschwindigkeitszügen die Futuristen in Italien, die Vortizisten in England und Der Sturm in Deutschland faszinierte. Diese Epoche, geprägt vom Glauben an unbegrenzten Fortschritt und Wachstum sowie an die Idee einer linearen Zeit, beeinflusste sowohl eine techno-affirmative Wissenschaft als auch eine entsprechende ästhetische Ausdrucksweise.
Die Moderne trieb die Beschleunigung des Lebens voran – ungeachtet der Konsequenzen oder der damit verbundenen Zerstörung. In diesem Momentum erreichte das westliche koloniale Denken, das auf extraktivistischen Praktiken und der Trennung von Geist und Körper beruhte, seinen Höhepunkt.
Heute, mit Blick zurück, sagen wir, dass dies in eine Sackgasse und an einen Punkt ohne Umkehr geführt hat. Heute wollen wir verlernen, entschleunigen und uns wieder mit den Menschen und unserer Umgebung verbinden. Deshalb ist der Windtunnel an der ZHdK für langsamen Wind konzipiert, in der Aerodynamik bekannt als creeping flow – auf der Suche nach einem alternativen Weg durch die Geschichte.
Der Windtunnel wurde von Florian Dombois als Ort für den transdisziplinären Austausch sowie als alternativer (und kommentierender) Raum innerhalb – oder besser gesagt: auf der Institution geschaffen. Über die letzten zehn Jahre hinweg wurde er Schritt für Schritt mit Kunststudierenden und Assistent:innen aufgebaut – zunächst als provisorisches Labor, das sich nach und nach auf dem Dach etabliert.