Arts-Based Educational Research (ABER) bezeichnet einen relativ jungen, angelsächsischen Forschungsansatz in den Bildungs- und Erziehungswissenschaften, der auf Publikationen und Initiativen des Erziehungswissenschaftlers Elliot Eisner in den 1990er Jahren zurückgeht (vgl. Barone/Eisner 2011: ix und Eisner 2008: 17).
ABER steht für einen Forschungsansatz, in dem wissenschaftliche und künstlerische Vorgehensweisen verknüpft werden, um mit der Spezifik und Komplexität pädagogischer Praxis einerseits und der Co-Konstruktion von Wissen andererseits angemessen umgehen zu können. So ermöglicht ABER den Forschenden ein methodisch-intuitives und iteratives Vorgehen, bei dem sich das forschende Subjekt nicht als von seinem Gegenstand – der (künstlerisch-)pädagogischen Vermittlungspraxis – abgetrennt begreift. Erforderlich ist im Gegenteil ein bewusster, selbstreflexiver Umgang mit der eigenen Involviertheit in die beforschte Situation. Dabei kann in allen Phasen des Forschungsprozesses auf künstlerische Herangehensweisen zugegriffen werden: bei der Erarbeitung der Forschungsfragen, der Erhebung und Auswertung von Daten sowie der Darstellung von Forschungsergebnissen (vgl. Mörsch 2012: 276).
Da es sich bei den Ergebnissen im Kontext von ABER tendenziell um hypothesenbildende Erkenntnisse und/oder um selbstreflexives Metawissen handelt, werden die Adressat_innen der Forschungsergebnisse im Kontext von ABER als deren Co-Produzent_innen mitgedacht. Kunstbasierte Forschung verlangt aus diesem Grund „an understanding of incompleteness and uncertainty. The research text is always in the process of creation, as audience becomes part of the construction.“ (Springgay 2002: 20)
Künstlerische Verfahren können bei der Erarbeitung und Darstellung von Forschungsresultaten dazu beitragen, dass sich aufgrund ihrer Unabgeschlossenheit den Adressat_innen – in Analogie zur Rezeption von Kunst und in Bezug auf (künstlerisch-)pädagogische Praxis – eigene Denk-, Fantasie- und Handlungsräume eröffnen: „A successful work of arts-based research initiates, extends, and develops a conversation rather than a summative conclusion.“ (Cahnmann-Taylor/Siegesmund 2008: 241)
Literatur
- Barone, Tom und Eisner, Elliot W., Arts Based Research. New York: Sage Publications 2011.
- Cahnmann-Taylor, Melisa und Siegesmund, Richard, The tensions of arts-based research in education reconsidered, in: Dies. (Hg.): Arts-based research in education – Foundations for practice. New York: Routledge 2008.
- Eisner, Elliot, Persistent tensions in arts-based research, in: Cahnmann-Taylor, Melisa und Siegesmund, Richard (Hg.): Arts-based research in education – Foundations for practice. New York: Routledge 2008.
- Mörsch, Carmen, But is it ABER?, in: Sack, Mira und Rey, Anton (Hg.): Ästhetische Kommunikation im Kindertheater. Eine Studie zu Rezeptionsweisen und Erlebnisqualitäten. Berlin: Alexander Verlag 2015.
- Springgay, Stephanie, Arts-Based Research as an Uncertain Text, in: The Alberta Journal of Educational Research. 48(3). Edmonton: University of Alberta 2002.