Ein interdisziplinäres Projekt zwischen Institut für Theorie, Institut for the Performing Arts & Film und dem Schweizerischen Epilepsie-Zentrum.
Avatare, künstliche Personen oder grafische Platzhalter eines Wesens, werden immer spezifischer, immer persönlicher, immer mehr zu einer Konstruktion. Sie scheinen den realen Körper zu ersetzen und ein Erscheinen – oder Auftreten – in einer selbstgewählten Gestalt zu ermöglichen. Während die erste Generation von Avataren vor allem in künstlichen Welten agieren konnte, wird die nächste Generation mit der realen Welt bereits interagieren, wird Beziehungen herstellen und damit ungewohnte Wirkungen erzeugen. Damit nähern sich Avatare dem an, was Schauspielende tun. Aber handelt es sich um identische Prozesse? Wo liegen die Unterschiede? Welche neuen Blicke ermöglicht diese Entwicklung auf den Zusammenhang von Selbstbild und Fremdbild, auf das Erkennen des Eigenen im Fremden? Gibt es einen Zusammenhang zur Denkfigur der «Maske», und kann schauspielerisches Wissen helfen, um diesen zu beschreiben? Verarbeitet am Ende unser Gehirn das emotionale Verhalten von Avataren genauso wie das von realen Personen?
Das vom Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) finanzierte Projekt «Actor and Avatar» setzt sich in einem interdisziplinären Zusammenspiel aus Philosophie, Schauspielforschung und Neurologie mit diesen und weiteren Fragen auseinander, unter Verwendung der fachspezifischen Expertisen und Methoden der jeweiligen Disziplinen. Es basiert auf einer Kooperation zweier Institute der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), des Instituts für Theorie (ith) und des Institutes for the Performing Arts and Film (IPF) sowie der Schweizerischen Epilepsie-Klinik Zürich (EPI-Klinik). Dabei lautet die philosophische Frage: Was ist der/die Andere? Wie gewahren wir sein/ihr Gesicht? Was bedeuten ein Antlitz, eine Maske? Wie stellen wir Beziehungen zu anderen Personen, zu Dingen, zu fremden Wesen, zu virtuellen Personen her? Die schauspielpraktische und künstlerisch-wissenschaftliche Fragestellung fusst auf Experimenten mit verschiedenen Stimmungen und Emotionen, wie sie sich in Gesichtszügen abzeichnen und wie sie darstellbar und auf virtuelle Figuren wie Avatare übertragbar sind. Das Setting ist hier die reflexive Selbstbegegnung mit dem eigenen/fremden Gesicht: Eine Schauspielerin mimt eine Empfindung, sieht sich als Avatar und kontrolliert gleichzeitig ihren und seinen Ausdruck. Die so entstehenden Bilder von Menschen und Avataren, dienen wiederum als Vorlagen für neurowissenschaftliche Studien in der EPI-Klinik: Gehirnscans mittels fMRI und EEG, die im besten Fall Unterschiede in der Gesichtswahrnehmung einer Person und einer künstlichen Figur/eines Avatars nachweisen und aus deren Differenzen wir Rückschlüsse ziehen und auf verschiedenartige Bezugnahmen schliessen können.