Essen begleitet uns täglich. Oft essen wir, ohne uns Gedanken darüber zu machen. Dennoch hat Essen enorme Auswirkungen auf uns und unsere Umgebung. Denn was wir essen, bestimmt, wie unsere Umgebungen aussehen. Der Rahmen ist dabei durch politische und strukturelle Gegebenheiten gesetzt. Diese Verstrickungen und unsere Möglichkeiten sowie unsere konkrete Produktwahl entscheiden, welche Landwirtschaft betrieben wird, welche Pflanzen angebaut werden und wie sich unsere agrarlandschaftliche Umgebung zusammensetzt.
Was lenkt und leitet uns unbewusst bei unserer Wahl? Und was bedeutet das? Sich diese Fragen zu stellen und Kochen und Essen zu einer bewussten Angelegenheit zu machen, heisst nicht, dass man die ganze Zeit darüber nachdenken muss. Doch wenn man versteht, wie man sich im bestehenden Nahrungssystem bewegt, ergibt sich das Potenzial, über andere Zukunftsentwürfe und Gesellschaftsformen nachzudenken. In diesen Themenfeldern bewegt sich meine Arbeit.
Über Essen reden
Der Zugang zum Thema Essen und Ernährung fängt bei sich selbst an. Ich möchte dazu anregen, sich vom ersten Eindruck zu lösen. Dieser ist auch beim Essen visuell. Mir ist es wichtig, dass man sich dabei stärker auf andere sinnliche Erfahrungen einlässt: Geruch, Geschmack, Haptik oder Textur. Wie schmeckt etwas, wie fühlt es sich in der Hand an? Sinnliche Akte müssen wir in sprachliche Akte übersetzen, wenn wir sie mit anderen teilen möchten. Ich ermuntere dazu, eine eigene Sprache zu finden, die nicht geprägt ist durch Werbeslogans, Gesundheitsrichtlinien oder Trends, sondern Bilder verwendet, die aus der eigenen Befindlichkeit und Situation kommen. Etwas kann danach schmecken, dass ich am Strand liege und die Sonne mir auf die Haut scheint. Wir können freie Bilder finden und darauf achten, wieso diese entstehen und was sie auslösen: Sind sie mit der eigenen Biografie verknüpft? Sind sie kulturelles Erbe? Unsere Prägung durch Essen passiert auf mehreren Ebenen: kulturell, ökonomisch, individuell. Alles, was von der eigenen Identität geprägt ist, kann ich nicht vermitteln. Das ist eine individuelle Auseinandersetzung. Aus dieser können jedoch andere gemeinschaftliche Räume entstehen.
Essen im Kontext
Wie wir Essen wahrnehmen und erfahren, wie es uns in Erinnerung bleibt, was für andere Themen es uns vermitteln kann, ist auch stark durch den Kontext geprägt: Konsum findet im Raum statt und dieser trägt viel zum Gesamteindruck bei. Aber auch Freund:innen, Gespräche, die eigene Stimmung: All das vermischt sich und beeinflusst, wie man das Essen empfindet. Es bleiben Erinnerungen und Eindrücke von Momenten, die nicht nur durch das Essen, sondern auch durch Raum und Zeit und die Konstellation der Essenden bestimmt sind. Hinzu kommt: Nahrungsmittel sind ein flüchtiges Material und Medium, das durch die ihm innenwohnenden Eigenschaften nicht genau gleich wiederholt werden kann.
Was folgt daraus?
Wenn wir uns aus verschiedenen Ansätzen heraus mit Essen und Nahrung beschäftigen, wächst unser Verständnis dafür. Wir beginnen, in anderen Dimensionen zu denken. Darin liegt ein grosses Potenzial. Westliche Gesellschaftsstrukturen basieren auf Einteilen und Ordnen. Dies kann zu Polarisierungen führen. Doch vieles ist ambivalent und in globalen Zusammenhängen vernetzt. Der Akt des Kochens und Essens ist ein sich laufend wiederholender und transformatorischer Prozess, der sich im Dazwischen bewegt. Es geht darum, zu lernen, wie man sich in diesem Umfeld bewegen kann, wie man in den Prozess des aktiven Gestaltens kommt. Es geht darum, offen und neugierig zu werden und zu experimentieren.