- Eva Vögtli: Wieso hast du dich für den Master Fine Arts entschieden?
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Yoo Ra Hong: Nachdem ich einige Jahre in Frankreich gelebt hatte, wollte ich weit weg von meinem aktuellen Wohnort, und als ich schließlich zögerte, nach Seoul zurückzukehren, wo ich herkomme, machte ich eine Reise in die Schweiz. Ich fühlte eine Wärme in Zürich und das ermutigte mich, weiterhin in Europa zu leben. Ich wusste bereits von dem Master of Fine Arts Programm, weil eine der Alumni meine Freundin ist. Die Angst, Zweifel und Neugier machen mich zwar besorgt, sind aber auch dazu da, mich sein zu lassen, und haben mich hierher gebracht.
- Woran arbeitest du derzeit?
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Ich erforsche die Malerei, indem ich die Beziehung zwischen Feigen und Feigenwespen als Metapher verwende und mich damit beschäftige, wie die soziale Klasse in prekären Wohnsitzen wie dem Zimmer eines Dienstmädchens in Paris und einem Halbkeller in Seoul enthalten ist und sich in der architektonischen Struktur wiederholt. Ich arbeite auch daran, durch Tätowierungen, die von Kiemen, Schuppen und Stacheln inspiriert sind, eine Beziehung und einen Zugang zum Wasser zu finden. Dieses Projekt wird ein Film sein, der sich zwischen Dokumentation und Fiktion bewegt. Schliesslich filme ich meinen Vater auf seiner Reise, seinen Platz als Architekt zu finden, während ich mich bemühe, das Projekt, das er nicht zu Ende bringen konnte, auf meine eigene Art zu vollenden.
- Hält das Programm, was es verspricht?
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Es ist die beste Entscheidung, die ich im letzten Jahr getroffen habe. Ich habe so viele tolle Menschen kennengelernt, mit denen ich ein Leben lang in Kontakt bleiben möchte. Ich mag besonders meine Klassenkameraden. Ich habe viel Zeit, um mich auf meine Projekte zu konzentrieren und trotzdem die Möglichkeit, Gefühle, Vorstellungen und Ideen auszutauschen ... Ich bin glücklich, hier zu sein.
- Brauchen wir Kunst und wenn ja, weshalb?
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Ich habe einmal geglaubt, dass Kunst die Welt verändern kann, und kam mir dabei oft heuchlerisch vor. Ich überlege immer noch, ob sie es kann oder sollte, aber ich denke, jeder schwimmt auf seiner eigenen Welle. Ich denke wir brauchen Kunst, weil sie uns bewegt und in Bewegung versetzt.
- Welche Übergänge waren in deinem bisherigen Leben prägend?
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Ich lebe nicht mehr in der Vergangenheit. All die Momente, an denen ich mich so sehr festhalten wollte und zu denen ich immer zurückkehren wollte, sind noch in mir, aber ich lebe jetzt in der Gegenwart. Diese Veränderung hängt mit einem der Themen meiner Arbeit zusammen: «Individuals transforming into other botanical forms in the urban environment».
- Welches ist dein Lieblingsort in Zürich?
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Es gibt einen Baum am Zürichhorn, bei dem ich das Gefühl habe, dass ich ihn seit meiner Kindheit kenne, deshalb gehe ich gerne ab und zu dorthin. Und ich liebe das Zuhause von meinen Freunden Nic und TK. Es gibt mir das Gefühl, dass etwas bleibt, wo es war und ist. Ich fühle mich dort wohl, und die Zeit, die wir dort verbracht haben, bringt mich zum Lächeln.