- Warum hat es dich von der erfolgreichen (Kultur-)Praxis in die Lehre gezogen?
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Ich weiss seit ein paar Jahren – vielleicht, seit meine Kinder auf der Welt sind –, dass ich mein Wissen aus der Praxis weitergeben und zur Diskussion stellen will. Bei meiner Lehrtätigkeit an der Universität Wien und an der ZHdK habe ich schliesslich gefunden, was ich schon länger suchte: den kritischen und frischen Blick der Studierenden, der mich motiviert, inspiriert und fordert.
- Welche Eigenschaften sollen Kulturpublizistik-Studierende neben den formalen Voraussetzungen – einem absolvierten BA-Studium – mitbringen?
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Ich glaube, zentral sind Neugier und Offenheit. Dort, wo’s holpert, wo’s ungemütlich, wo’s schwierig wird, möchte ich mit meinen Studierenden und meinem Team neue Pfade suchen und schrittweise begehbar machen. Ausserdem erwarten wir, dass unsere Bewerber:innen mit dem Schreiben vertraut sind und kommunikative Kompetenzen mitbringen.
- Du arbeitest und lebst seit 14 Jahren in Zürich. Warum hast du dich für diese Stadt entschieden?
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Ich würde eher sagen: Zürich hat sich für mich entschieden. Meine allerersten Praktika führten mit hierher, mein erstes Engagement als Dramaturgin am Schauspielhaus ebenso. Dann, nach einem Abstecher ans Burgtheater in Wien, war es die Liebe, die mich erneut nach Zürich brachte. Was nicht zu unterschätzen ist: Zürich hat eine ideale Grösse und kulturelle Vielfalt, um sich mit interessanten Kulturschaffenden aus allen Bereichen zu vernetzen. Man ist schnell Teil des Kuchens. Das gibt Halt, dient aber auch als Sprungbrett in die internationale Kulturszene.
- Apropos Kulturszene: Finden Abgänger:innen des MA Kulturpublizistik nach dem Studium eine Stelle?
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Viele unserer Abgänger:innen finden in der Organisationskommunikation von Kulturinstitutionen (Museen, Theater, Festivals etc.) oder in grösseren Medienhäusern (Tamedia, SRF etc.) ihr berufliches Zuhause. Einige stossen zu Start-Ups, die auf zeitgemässes Publishing ausgerichtet sind, andere arbeiten als freie Autor:innen. Die erste wirklich gute Nachricht ist, dass unsere Abgänger:innen nahezu ausnahmslos Orte finden, an denen sie gerne und zu fairen Konditionen arbeiten. Die zweite ist, dass unsere Abolvent:innen geschult sind, sich in gesellschaftspolitischen Diskursen kritisch und konstruktiv miteinzubringen. Diese Kompetenzen sind in Zeiten, in denen unsere Demokratie existenziell bedroht ist, von unschätzbarem Wert.