Gianna Bärtsch: Wie war dein erster Tag im coronabedingten Homeoffice?
Susanne Schumacher: Das war keine grosse Umstellung, denn meine Arbeit organisiere ich ohnehin online und ich arbeite öfter im Homeoffice. Doch als dann alles nur noch zu Hause stattfand, wurde die Trennung von Arbeit und Privatleben schwierig. Da bin ich, wie viele andere auch, an meine Grenzen gestossen.
Was bedeutete der Corona-Lockdown für die ZHdK?
Die ZHdK durchlief in wenigen Wochen einen forcierten digitalen Wandel. Zum Glück war sie in wichtigen technischen Bereichen gut aufgestellt und die Massnahmen in der unvorhergesehenen Situation wurden durch den Epidemie-/Pandemie-Stab koordiniert. Die Umstellung der Lehre war die grösste Herausforderung. Die ZHdK hat den Unterricht für eine Woche ausgesetzt, um in dieser Zeit bestmöglich auf den digitalen Unterricht umzusteigen. Studierende und Dozierende wurden vom E-Learning-Team, von den zentralen Diensten und der einberufenen Koordinationsgruppe Digitaler Unterricht unterstützt.
Wie ist die Umstellung auf digitalen Unterricht gelungen?
Vieles wurde ad hoc mit grossem persönlichem Engagement möglich gemacht. Dozierende und Studierende erprobten neue Unterrichtsformen – sie drehten beispielsweise ein Online-Dirigiertutorial oder schalteten das Zeichenmodell virtuell via Zoom zu. Online-Mentorate und digitale Exkursionen wurden Teil des Studiums. Die Aufnahmeprüfungen in der Musik wurden als digitale Assessments durchgeführt. Begleitend hat das E-Learning-Team Lehrende eingeladen, ihre praktischen Erfahrungen zu teilen. So wurden neue didaktische und künstlerische Fragen thematisiert und durch die gemeinsame Reflexion die Möglichkeiten und Grenzen des digitalen Lehrens und Lernens ausgelotet.
Wo lagen die Grenzen?
Künstlerische und gestalterische Praktiken, die mit der Interaktion von Körper, Raum und Material arbeiten, etwa Theater, Musik oder Tanz, können nicht oder nur bedingt in ein virtuelles Setting verlagert werden. Während des Corona-Lockdowns wurden aber zugleich neue kreative Techniken entwickelt, um auch virtuell Nähe herzustellen, Beziehungen auf Distanz zu pflegen oder Resonanzräume aufzubauen.
Wie will der Digitalrat die Erfahrungen aus der Corona-Krise für den digitalen Wandel der ZHdK nutzen?
Der Digitalrat trägt seit Mai 2020 Erfahrungen aus den Abteilungen zusammen und hat relevante Themen identifiziert. Wir schaffen Formate, mit deren Hilfe sich die Hochschulangehörigen zu diesen Themen hochschulweit oder in Peer Groups austauschen und gemeinsam Bilder für die Zukunft entwickeln können. Das Projekt nennt sich «Digital Reports + Fictions».
Was will die ZHdK in puncto Digitalität erreichen?
Digitale Expertise und Exzellenz. Die ZHdK möchte die Kultur der Digitalität aktiv mitgestalten – ihre Studierenden sollen Kompetenzen für die digitalisierte Gesellschaft erwerben. Zudem ist die ZHdK Teil der Digitalisierungsinitiative der Zürcher Hochschulen. Insgesamt sollen 300 Millionen Franken in das Vorhaben investiert werden. Wir bringen uns mit den Schwerpunkten «Immersive Arts» und «Creative Economies» sowie mit Aktivitäten im Bereich Digital Skills ein. Ein Beispiel ist das Projekt «Destination Digital». In diesem werden niederschwellig Themen wie Social Media aufgenommen und in internen Weiterbildungen, Blogbeiträgen und Videoformaten behandelt.
Hat Home-X – die vielfältige Nutzung unseres Zuhauses – eher positive oder eher negative Seiten?
Ich bin zwiegespalten. Im Home-X erleben wir die Prinzipien der Digitalisierung sehr persönlich: Unsere Arbeit wird abstrakter, Begegnungen werden formatierter, der Alltag wird fragmentierter, Raum und Zeit werden unwichtiger, Vernetzung ist alles. Zum Glück können wir die Variable X durch beliebige Tätigkeiten ersetzen.