Bianca Bauer: Weshalb hast du deiner Tänzerkarriere ein Ende gesetzt?
Filipe Portugal: Tänzerkarrieren sind in der Regel nicht sehr lang. Du bist dir dessen bewusst und auch dein Körper erinnert dich immer wieder daran. Als Tänzer bist du mit Schmerzen und Erschöpfung vertraut und es kommt der Punkt, an dem du sagen musst: «Das wär’s jetzt gewesen.»
Welches ist das wichtigste Werkzeug eines Tänzers?
Eine starke Psyche. Zahlreiche Tänzer:innen sind ab einem gewissen Punkt dem Druck ihres Berufes nicht mehr gewachsen und müssen ihre Karriere beenden. Ohne Kopf geht im Tanz gar nichts. Du musst dir deiner Gedanken bewusst sein – so bleibst du positiv und siehst Hindernisse und Rückschläge als Teil deiner Reise. Meine Reise als Tänzer ist zwar vorbei, doch ich habe mich entschieden, als Choreograf neue Welten zu entdecken.
Brauchen wir die Kunst? Und wenn ja, weshalb?
Wir brauchen die Kunst, weil sie uns etwas fühlen lässt. Was genau wir fühlen, spielt keine Rolle, Hauptsache, man ist sich dieser Gefühle bewusst. Kunst muss man nicht verstehen, man muss sie spüren. Als Tänzer kann ich diesen Gefühlen auf künstlerische Art Ausdruck geben, sie durchströmen mich, und mein Körper wird zu ihrem Instrument.
Welches sind deine Ziele für 2022?
Mein Ziel ist es, mein Wirkungsfeld zu erweitern, zu wachsen, zu entdecken und mich mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Covid fühlt sich an, als hätte jemand auf «Pause» gedrückt. Das ist jetzt mein Moment, meine Gelegenheit, Neues ohne Druck auszuprobieren. Ich sehe den Master Choreography als eine Investition in meine Zukunft.
Welches ist dein Lieblingsplatz in Zürich?
Das Opernhaus Zürich. Es ist mein Zuhause. Jedes Mal, wenn ich die Bühne betreten habe, habe ich mich absolut frei gefühlt. Wenn ich am Opernhaus vorbeigehe, spüre ich die Anerkennung, die mich über all die Jahre getragen hat. Eine der besten Entscheidungen war, mich zu akzeptieren und der zu sein, der ich wirklich bin. Das hat mir Freiheit geschenkt.
Welches war deine bisher beste Entscheidung?
Die Wahl, die man hat, sich zu akzeptieren und der zu sein, der man wirklich ist. Bewusst anzunehmen, wer ich wirklich bin, hat mir absolute Freiheit geschenkt.